"50 Jahre Heizungs-Schmidt" ein Rückblick von Günter Schmidt

Die Gründungszeit (1960 - 1965)

Nachdem ich 1960 meine Ausbildung zum Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister in Stuttgart abgeschlossen hatte, kam ich mit meiner Frau Ella und unserer Tochter Andrea nach Möckmühl. Hier wollte ich mich selbstständig machen. Zur damaligen Zeit gab es in Möckmühl nur eine kleine Heizungsbaufirma, eine Filiale eines Karlsruher Unternehmens. In dem damals üblichen Vorstellungsgespräch auf dem Bürgermeisteramt wurde mir jedoch von einer Firmengründung in Möckmühl abgeraten. Glücklicherweise folgte ich schon zur damaligen Zeit nicht immer den Empfehlungen der politischen Obrigkeit sondern setzte meine eigenen Vorstellungen um.

Im Herbst 1960  wurde die Kleinst-Handwerkerfirma Heizungs-Schmidt in der Roigheimer Straße in Möckmühl gegründet. Ich hatte einen Gesellen auf der Baustelle und die tatkräftige Unterstützung meiner Frau Ella im Haushalt und im Büro. Das Büro war unser Wohnzimmer, das Lager befand sich im Keller unserer Mietwohnung. Bald war unserer Familie die Wohnung zu klein und wir zogen in eine Mietwohnung in dem Neubau der Volksbank ein.

Doch schon 1963 benötigte das wachsende Unternehmen ein Büro und ein größeres Lager. Auf dem Grundstück in der Flüsslestraße wurde gebaut.  Die Fundamente für unser neues Werkstatt- und Lagergebäude habe ich mit meinen Mitarbeitern noch selbst gegraben. Der dazugehörige Bürotrakt wurde dann im März gebaut. 

Inzwischen wurde durch unsere damalige Hauptkunden, die ausgesiedelten landwirtschaftlichen Betriebe, der Wirkungsradius des Unternehmens auf ganz Baden-Württemberg ausgedehnt. Zur damaligen Zeit fuhren die Monteure noch in ihrem Privatfahrzeug auf die Baustellen. Nun mussten wir kurzfristig die ersten Firmenfahrzeuge beschaffen. Innerhalb einer Woche war dies erledigt. Donnerstags besuchte ich einen örtlichen VW Händler und kaufte fünf VW Käfer. Ein Heilbronner Maler  musste dann bis Sonntagabend den Fahrzeugen das später noch Heizungs-Schmidt typische Outfit verpassen. Als am Montag die Monteure zur Arbeit kamen wurden sie mit den neuen Firmenfahrzeugen überrascht.

Die Aufbauphase (1965 - 1975)

Perfektion im Dienst des KundenMein Ziel als Jungunternehmer war schon immer ein Betrieb mit ca. 60 Mitarbeitern zu haben. Mit neuen Ideen (Vorfertigung, Deckungsbeitragsrechnung, hauseigenen Systemen, EDV etc.) wurden die Voraussetzungen für neue  Geschäftsfelder und Aufgaben in Angriff genommen: Schulen, Landratsämter, Krankenhäuser, Industrie- und Gewerbebauten.

Doch schon nach kurzer Zeit stellten wir fest, dass die Zukunft des Unternehmens mit seinen inzwischen fast 60 Mitarbeitern nur im Wohnungsbaumarkt liegen konnte. Hier hatten wir unsere Stärken und konnten unsere Vorteile voll ausspielen. Das im Handwerk nicht besonders geläufige Thema Vorfertigung brachte uns dabei einen enormen Aufschwung. Ein neues Marktfeld mit riesigem Potential tat sich auf: die Installation von Zentralheizungsanlagen in Einfamilienwohnhäusern und großen Wohnanlagen. Wir konnten richtig Gas geben.

Nicht nur der gewerbliche Teil des Unternehmens wurde dabei vor große Aufgaben gestellt. Auch bei der Büromannschaft wurden gewaltige Veränderungen eingeführt. So wurde 1970 laut IBM bei uns die erste größere EDV Anlage in einem Handwerksbetrieb in Deutschland installiert. Die gesamte Abwicklung der Projekte, vom Angebot bis zur Abrechnung sowie die Lohn- und Gehaltsabrechnung wurden über dieses EDV System bearbeitet.

In der Werkstatt konnte die Produktion der Standkonsolen nicht mehr bewältigt werden. Die Fertigung wurde nach Italien verlagert. Eine Reise nach England brachte eine weitere Neuerung in das Unternehmen: das minibore - Heizungssystem. Aus den englischen Grundlagen wurde ein mordenes Heizungssystem entwickelt und umgesetzt. Diese Weiterentwicklung und konsequente Umsetzung bildeten die Grundlage für die heutige Unternehmensgröße.

Impressionen zur Firmenhistorie

Die Wachstumsphase (1975 - 1990)

"Was nicht wächst, stirbt". Dieser Grundsatz beflügelte uns, unsere Marktposition durch gezielte Erweiterung zu festigen und zu vergrößern. Trotz und gerade wegen eines immer stärker werdenden Wettbewerbes wurde nach geigneten Standorten und Unternehmen Ausschau gehalten. 1978 war es dann soweit: Die Firma Wolf & Mögle in Stuttgart wurde von uns übernommen. Damit war der Schlüssel zu dem wachsenden Stuttgarter Wohnungsbaumarkt vorhanden. Wir besaßen jetzt eine alteingesessene Stuttgarter Firma mit einem sehr guten Kundenstamm.

Inzwischen waren wir eines der führenden Unternehmen in unserer Branche in der Altbausanierung in Baden-Württemberg. Wir wollten weiter expandieren. Im Jahre 1980 übernahmen wir die Firma Schüttler in Karlsruhe und firmierten sie zu Heizungs-Schmidt Karlsruhe um. Wir spezialisierten  uns weiter auf die Altbausanierung und bauten den Kundendienst aus. Ein weiteres wichtiges Standbein in einem regionalen Zentrum war geschaffen. Nun dauerte es ein paar Jahre bis die nächsten Erweiterungen anstanden. Die Zeit wurde benötigt um dem Unternehmen die Strukturen zu geben, die es auf Grund der Erweiterungen benötigte: Grundstücke, Gebäude, EDV, Fahrzeuge, Werkzeuge und sonstige Betriebsausstattungen. 1988 wurde dann die Firma Stark & Hartmann in Heilbronn übernommen. In der Heizungs-Schmidt Gruppe wurde ein Außendienst aufgebaut. Eine für die damalige Zeit nicht übliche Einrichtung in einem Handwerksbetrieb. Zeitweilig beschäftigten wir bis zu 15 festangestellte Außendienstmitarbeiter im Unternehmen.

Die Zeit vor und nach der Wiedervereinigung (1985 - 2004)

Mit System ans ZielNachdem die Firmenentwicklung in den letzten Jahren etwas ruhiger verlief, nahm die Entwicklung ab 1989 ein rasantes Tempo an. Angesteckt durch die Euphorie der Wiedervereinigung erhoffte man sich eine enorme wirtschaftliche Entwicklung durch den Aufbau in den neuen Bundesländern. In Gera, Meerane, Dresden, Leipzig, Berlin und Gernrode entstanden eigene Betriebsstätten. Die Heizungs-Schmidt Gruppe hatte nun fast 400 Mitarbeiter. 1993 wurde der Neubau in Möckmühl-Züttlingen erstellt. Die Montage  wurde nach Züttlingen verlagert, einzig die Verwaltung der Unternehmensgruppe verblieb in Möckmühl.

Doch langsam zeigten sich dunkle Wolken am Wirtschaftshorizont: Die Konjunktur kühlte ab, die "blühenden Landschaften" blieben aus.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten auf dem Wohnungsbausektor hinterlassen Ende der Neunziger Jahre auch in der Heizungs-Schmidt Gruppe ihre Spuren. Immer mehr Auftraggeber wurden zahlungsunfähig oder es wurden Bauprojekte nach der Projektierungsphase gestoppt. In ganzen Landkreisen wurde die Bautätigkeit mehr oder weniger eingestellt. Unserer Aufträge mussten immer weiter in Süddeutschland (München) oder in Hessen (Frankfurt) abgewickelt werden. Große logistische und organisatorische Probleme waren für die Ostbetriebe die Folge: riesige Fahrtstrecken, Materialtransport, Baustellenüberwachung, Baustellenabwicklung etc. mussten bewältigt werden. Projekte in den neuen Bundeländern existierten praktisch nicht mehr oder konnten nur unter schlechten wirtschaftlichen Bedingungen realisiert werden. Um die gesamte Heizungs-Schmidt Gruppe nicht zu gefährden musste die Gruppe umstrukturiert werden. Diese umfangreichen Umstrukturierungsmaßnahmen führten dazu, dass alle Betriebe in den neuen Bundesländern bis auf den Betrieb in Gernrode geschlossen werden mussten. Die Umstrukturierung wurde erst 2004 abgeschlossen und brachte das Unternehmen wieder in ruhigeres Fahrwasser.

Der Betrieb in Züttlingen wurde 1994 von meinem Sohn Hans-Jörg übernommen und mit den Jahren zu dem größten Heizungs-Schmidt Betrieb ausgebaut. Eine konsequente strategische Neuausrichtung und innerbetriebliche Umstrukturierungen brachten hier den wirtschaftlichen Aufschwung und macht diesen ältesten selbstaufgebauten Betrieb heute zu einem der wichtigsten Standbeine der Unternehmensgruppe.

Die nächste Generation (2000 - 2010)

Günter und Stefan SchmidtAm 1. März 2000 übergab ich die Geschäftsführung der Heizungs-Schmidt Gruppe an meinen Sohn Stefan und zog mich langsam in den Ruhestand zurück. Meine Frau Ella folgte mir erst 2006 in das Rentnerdasein. Nach gesundheitlichen Problemen können wir uns heute unseren Hobbys widmen: der Familie, den Enkeln, Reisen in nahe und ferne Städte und Länder, sowie das Golfspielen. Diese Hobbys genießen wir heute.

2001 wurde mit dem Aufbau des neuen Geschäftsfeldes "Rohrleitungsinnensanierung" begonnen, dessen Leitung und Aufbau mein Sohn Achim übernahm. Er ist heute mit dem Unternehmen SH Consulting GmbH in dem gesamten Bundesgebiet tätig. In 2004 wurde mit dem Umau der Firma Stark & Hartmann zum Servicecenter die Umstrukturierung abgeschlossen. 2005 wurde eine neue EDV eingeführt und ca. 60 Mitarbeiter im Schnellverfahren an dem neuen System geschult und ausgebildet. Alle Schulungen fanden in unserem Seminarzentrum in Möckmühl statt.

Durch die Einführung eines Leistungslohnsystems und der Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter in Möckmühl-Züttlingen, der Einführung von Lebensarbeitszeitkonten und der Betrieblichen Altersvorsorge in den Betrieben wurden weitere wichtige Voraussetzungen geschaffen um das Unternehmen für die kommenden Aufgaben vorzubereiten. Das Leistungslohn- und Gewinnbeteiligungssystem werden zur Zeit auch für die restlichen Betriebe zur Übernahme vorbereitet und sollen dann  in den nächsten 1 - 2 Jahren in allen Betriebe umgesetzt werden.

Im Frühjahr 2009 wurde die Geschäftsführung erweitert. Meine Tochter Andrea und deren Brüder Achim und Hans-Jörg wurden ebenfalls zu geschäftsführenden Gesellschaftern ernannt um die Verantwortung und die Aufgaben der Zukunft gemeinsam mit ihrem Bruder Stefan, dem bisherigen, alleinigen Geschäftsführer, zu tragen. Mit dem besten Firmenergebnis der jüngsten Unternehmensgeschichte gelang der neuen Geschäftsführung ein hervorragender Start.

Ich wünsche meinen Kindern weiterhin eine glückliche und erfolgreiche Hand in der Unternehmensführung und bedanke mich vor allem bei meiner Frau Ella, bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und allen Geschäftspartnern die mich und die Heizungs-Schmidt Gruppe auf diesem Lebensabschnitt begleitet und unterstützt haben.

50 Jahre Heizungs-Schmidt, ich denke, das ist ein guter Grund zum Feiern ( 23. Juli 2010 und 24. Juli 2010) . Das Programm für unsere Feier teile ich Ihnen hier gerne mit sobald die Vorbereitungen dazu abgeschlossen sind. Bis dahin wünsche ich Ihnen eine gute Zeit.

Möckmühl, im März 2010

Ihr

Günter Schmidt